Arno Peters

deutscher Historiker, Geograph und konom; Prof. Dr. phil. /ml 
Geburtstag: 22. Mai 1916 Berlin-Charlottenburg
Klassifikation: Historiker, auch Wissenschaftshistoriker, Geograph, Geologe, Wirtschaftswissenschaftler
Nation: Deutschland
Herkunft
Arno Peters wurde am 22. Mai 1916 in Berlin-Charlottenburg als Sohn des Oberreichsbahnrates Bruno Peters und seiner Ehefrau Lucy geboren.
Ausbildung
Nach dem Abitur studierte Arno Peters an der Berliner Universitt Geschichte, Kunstgeschichte und Zeitungswissenschaft und promovierte zum Dr. phil.
Die Mittel fr sein Studium verdiente er sich durch Arbeit bei Presse und Film.
Nur 24 Jahre alt, stellte er als Produktionsleiter bei der Tobis u. a. den Musikfilm "Immer nur Du" her.
Studienreisen fhrten ihn nach Frankreich, England, USA und UdSSR, Polen, Schweden, Griechenland, Trkei, Italien, Spanien, Portugal und Mexiko.
Wirken
Seit Abschlu seines Studiums ist Arno Peters als Privatgelehrter ttig.
Schon als Student hatte er sich mit dem Plan einer rumlich-graphischen Darstellung der Zeit beschftigt.
1941 schuf er den ersten Entwurf fr eine Geschichtsdarstellung, die auf der Sichtbarmachung des Gleichzeitigen beruht und durch unmittelbare Anschauung des zeitlichen Miteinander und Nacheinander die Zusammenhnge der Geschichte vermittelt.
Auf dieser Grundlage entstand seine "Synchronoptische Weltgeschichte".
Neben die europische Geschichte stellte er gleichrangig die Geschichte der groen asiatischen und afrikanischen Kulturen sowie die Geschichte des vorkolumbischen Amerika.
Es ging ihm auch darum, alle Lebensbereiche gleichwertig darzustellen, wodurch die sonst beherrschende Geschichte von Politik und Krieg hinter die der Kunst, der Wissenschaft und der Technik, der Religion, der Philosophie und des Rechts zurcktrat.
"Peters Synchronoptische Weltgeschichte" erschien erstmals 1952 und seither in zahlreichen Neuauflagen, 1962 auch in einer franzsischen Ausgabe (bersetzt von Robert Minder), seit 1970 auch als zweibndige "Groe Synchronoptische Weltgeschichte" (unter Einbeziehung der Frhkulturen) mit Indexband.
1965 wandte sich Arno Peters geographischen Arbeiten zu, die ebenso wie seine Weltgeschichte die berwindung des europazentrischen Weltbildes anstreben.
1973 legte er seine eigene Erdkartenprojektion vor unter dem Titel "Die Lnder der Erde in flchentreuer Darstellung".
Seine rechtwinklige Anordnung der Lngen- und Breitengrade verbindet mit der Flchentreue auch Lage- und Achstreue.
Die unser geographisches Weltbild prgende Mercator-Projektion des deutschen Geographen Gerhard Kremer (1569) konnte bislang noch nicht verdrngt werden.
Seit 1975 arbeitete Arno Peters an einem Weltatlas.
Dieser "Peters-Atlas" erschien 1989 bei Longman in London und bei der UNICEF in Zrich.
Es folgten 1990 fnf weitere inhaltsgleiche Ausgaben: Frankreich (Larousse), Italien (Rizzoli), Spanien (Vicens Vives), USA (Harper & Row), Dnemark (Politiken).
Fr die Universitt der Vereinten Nationen legte Arno Peters 1984 seine kartographische Konzeption in einem theoretischen Werk nieder ("Die Neue Kartographie").
Darin entmythologisierte er die bisher herrschende kartographische Theorie.
In seinem Katalog neuer Kartenqualitten treten praktische, sthetische und didaktische Qualitten neben die bisher allein magebenden mathematischen Qualitten.
Arno Peters verlegte den Null-Meridian von Greenwich auf die Datumsgrenze und verschob diese in die Mitte der Beringstrae.
Willy Brandt machte die "Peterskarte" durch die Nord-Sd-Kommission zum Symbol fr die Gleichrangigkeit und Gleichwertigkeit der farbigen Vlker.
Kirchliche Institutionen (in der Bundesrepublik Weltmission, Misereor und missio, in England Christian Aid, in den USA The National Council of Churches, in Frankreich das Comit Catholique, in Holland und Belgien die Caritas, in Italien ASAL) bernahmen sie aus dem gleichen Grund.
Begleitend zu seiner historischen und kartographischen Tatsachen-Darstellung arbeitet Arno Peters an einer Geschichtsphilosophie, deren Grundgedanken er 1978 vorgetragen hat ("Die Periodisierung der Geschichte und das historische Weltbild des Menschen").
Arno Peters sieht in der Stoffeinteilung (Periodisierung) der Geschichte die Quintessenz des geschichtlichen Denkens und die bestimmende Grundlage unseres historischen Weltbildes.
Er teilt die heute gebruchlichen Periodisierungen in zwei Gruppen: Lineare Periodisierung und zyklische Periodisierung.
Linear ist danach die Grundlage der herkmmlichen brgerlichen Geschichtstheorie (Altertum-Mittelalter-Neuzeit) wie ihrer marxistischen Variante (Sklaverei-Feudalismus-Kapitalismus) - zyklisch sind die von Spengler und Toynbee vertretenen Kulturkreislehren.
Fr Arno Peters widersprechen beide Periodisierungen dem wirklichen Ablauf der Universalgeschichte.
Fr ihn ist Geschichte weder ein Nacheinander von Epochen (= lineare Periodisierung) noch ein Nebeneinander von Kulturen (= zyklische Periodisierung), sondern ein Miteinander von Prozessen (= dialektische Periodisierung).
Im Ablauf der Geschichte sieht Arno Peters eine Zeit der Differenzierung, die zwischen dem Naturzustand des Menschen in der Vorzeit und der in der Gegenwart anbrechenden Zukunft liegt (die Arno Peters als Epoche der "Kultur" bezeichnet).
Fr Arno Peters zerfallen die Prozesse der historischen Zeit in "teilende" (den Menschen in seiner natrlichen Ganzheit erhaltende) und "spaltende" (den Menschen von seiner natrlichen Ganzheit entfremdende) Prozesse.
Das Ziel der revolutionren Umwlzung unserer Epoche sieht Arno Peters in der berwindung der spaltenden Prozesse der historischen Zeit und in der Rckkehr des Menschen zur natrlichen Ganzheit seines Naturzustandes auf hherer Ebene (Kultur).
1974 grndeten neun Gelehrte verschiedener Disziplinen (Fritz Fischer, Wilhelm Treue, Ernst Bloch, Herbert Khn, Benno von Wiese, Walther Gerlach, Friedrich Klemm, Wolfgang Braunfels und Walter Zimmermann) fr die Arbeiten von P.
das Institut fr Universalgeschichte.
Das von Arno Peters geleitete Institut wurde finanziell vom Bremer Senator fr Wissenschaft getragen, bis es sich selbst erhalten konnte.
Der vielseitige Arno Peters hat auch an einer Verbesserung der musikalischen Notation gearbeitet und 1984 am Mozarteum in Salzburg seine neue Farbnotation vorgelegt (Peters-Notation).
Darin hat er die fr seine "Synchronoptische Weltgeschichte" entwickelte rumliche Darstellung der Zeit auf die Mitteilung der Tondauer angewendet.
1985 verffentlichte er seine theoretische Grundlegung der neuen Notation ("Die mastbliche Darstellung der Tondauer als Grundlage oktav-analoger Farbnotation"; Akademische Verlagsanstalt, Vaduz) sowie eine Klavierfibel frs Farbklavier ("Fr Majenna").
Im November 1989 sorgte Arno Peters fr Aufsehen, als er Reparationsausgleichszahlungen der Bundesrepublik an die DDR forderte.
Arno Peters begrndete seine Forderung mit den von der DDR - stellvertretend fr die Bundesrepublik - aufgebrachten Reparationsleistungen an die Sowjetunion (jeder Ostdeutsche leistete im Schnitt 16.124 Mark an Reparationen, jeder Westdeutsche nur 126 Mark).
Zwar machte sich mit Untersttzung von Persnlichkeiten der Bundesrepublik der damalige DDR-Ministerprsident Modrow diese Reparationsausgleichsforderung in Hhe von 727 Millarden DM zu eigen, konnte sie aber nicht durchsetzen.
Seit 1983 hat sich Arno Peters zunehmend der konomie zugewandt in dem Bestreben, die Weltwirtschaft auf die Befriedigung der menschlichen Bedrfnisse statt auf Angebot und Nachfrage zu richten.
Sein Ziel ist die gleichzeitige weltweite berwindung von Not und berflu.
In seinem Vortrag "Das quivalenzprinzip als Grundlage der Global-konomie" (Palermo, 5.5.1995, Istituto Gramsci Siciliano) sieht Arno Peters unsere Epoche als bergang von der National-konomie zur Global-konomie mit dem Postulat, Gter und Dienstleistungen auf Grundlage ihres Wertes (= der in ihnen enthaltenen Arbeitszeit) auszutauschen, wodurch der Einzelne, ebenso wie Betriebe, Gruppen und Staaten, nicht mehr Gter und Leistungen entnehmen, als sie selbst einbringen.
Ein aus der Arbeitswertlehre Ricardos zu entwickelndes Wertma htte der konomie die exakte Grundlage zu geben.
Werke
Verffentlichungen: "Peters Synchronoptische Weltgeschichte" (52, mehrere Neuauflagen), "Die Lnder der Erde in flchentreuer Darstellung" (73), "Die Periodisierung der Geschichte und das historische Weltbild des Menschen" (78), "Die neue Kartographie" (84), "Die mastbliche Darstellung der Tondauer als Grundlage oktav-analoger Farbnotation" (85), "Peters Weltatlas" (89) u. a. m.
Auszeichnungen
1994 wurde Arno Peters mit dem Kultur- und Friedenspreis der Villa Ichon (Bremen) ausgezeichnet.
Die Laudatio hielt der bekannte Historiker Fritz Fischer.
Mitgliedschaften
Arno Peters ist seit 1965 Mitglied des PEN-Clubs.
Familie
Arno Peters ist seit 1987 in dritter Ehe mit Majenna, geb. Ruminski, verheiratet.
Das Paar hat zwei Kinder: Marco und Mirko.
Aus zweiter Ehe stammt die Tochter Sabine, aus erster die vier Kinder Anja, Axel, Anita und Aribert.
Arno Peters, zu dessen Liebhabereien Segeln, Schwimmen und Radfahren gehren, malt und zeichnet auch: "Weimarer Skizzen" und "Mit dem Pinsel unterwegs".
Adresse
Heinrich-Heine-Strae 93, 28211 Bremen; Tel.: 0421/23 20 22